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Campus Baggerweier – Zukunft lässt sich nicht vertagen

  • Autorenbild: FW
    FW
  • 24. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit
Fernand WEIMERSKIRCH                                 Bech-Kleinmacher                                      Schengen
Fernand WEIMERSKIRCH Bech-Kleinmacher Schengen

Wenn eine Gemeinde über Jahrzehnte hinweg geprägt wird, dann sind es selten die kleinen Entscheidungen. Es sind jene Beschlüsse, die man nicht mehr rückgängig machen kann, weil sie in Stein, Beton – und letztlich in die Lebensrealität kommender Generationen gegossen werden.

Genau eine solche Entscheidung stand dem Gemeinderat der Gemeinde Schengen am 27. Januar 2026 bevor: die Abstimmung zum projet définitif détaillé des Megaprojekts Campus Baggerweier.


Und damit steht auch die Gemeinde selbst vor einer Grundsatzfrage: Wollen wir Zukunft gestalten – oder wollen wir sie verwalten?


Mehr als ein Bauprojekt

Man kann den Campus Baggerweier technisch betrachten: als Zentralschule, Feuerwehrkaserne und Sporthalle. Als Planung, als Baustelle, als Finanzposten.

Doch wer es dabei belässt, sieht nur die Oberfläche.

Tatsächlich geht es um drei Säulen, die den Kern kommunaler Verantwortung ausmachen:


  • Bildung – als Grundlage von Chancengleichheit und Zukunftsfähigkeit,

  • Sicherheit – als Pflicht und Versprechen an die Bevölkerung,

  • Gemeinschaft – als Lebensader einer Gemeinde, getragen von Vereinen und Ehrenamt.


Gerade in einer Fusionsgemeinde ist das entscheidend. Denn Fusionsgemeinden brauchen mehr als Verwaltungsstrukturen. Sie brauchen sichtbare Orte, die Identität stiften, Wege verkürzen, Menschen zusammenbringen. Ein Campus kann genau das leisten: nicht als Symbol, sondern als funktionierende Infrastruktur im Alltag.


Die Debatte war hart – und sie war notwendig

Niemand sollte leugnen, dass die vergangenen Jahre von intensiven Diskussionen geprägt waren. Am Gemeinderatstisch ebenso wie außerhalb, in Gesprächen, in engagierten Kreisen, an Stammtischen, in Familien.

Dabei wurden nicht nur Argumente ausgetauscht, sondern auch Sorgen sichtbar: Sorgen um Finanzierung, um Ausmaß, um Umweltauswirkungen, um Mobilität, um Transparenz. Manche Bürgerinnen und Bürger hätten sich zweifellos eine frühere, breitere und konsequentere Beteiligung gewünscht.

Diese Einwände verdienen Respekt.

Aber eine Gemeinde kann sich nicht dauerhaft in Diskussion erschöpfen. Denn irgendwann wird eine Debatte nicht mehr zur Klärung, sondern zur Verzögerung. Und Verzögerung ist ebenfalls eine Entscheidung – nur eine, deren Kosten selten offen beziffert werden.


Mut zur Entscheidung ist kein Leichtsinn – sondern politische Pflicht

Es gibt Momente, in denen Kommunalpolitik mehr sein muss als kritisches Begleiten. Sie muss in der Lage sein, Verantwortung zu übernehmen – auch unter unvollkommenen Bedingungen.

Denn es ist eine Illusion zu glauben, dass große Infrastrukturprojekte jemals allen Erwartungen vollständig entsprechen. Wer wartet, bis ein Projekt keinen Einwand mehr zulässt, entscheidet am Ende nicht für Perfektion – sondern für Stillstand.

Und Stillstand ist für eine Gemeinde kein neutraler Zustand. Stillstand bedeutet:


  • dass notwendige Infrastruktur überaltert,

  • dass Chancen ungenutzt bleiben,

  • dass man Probleme in die Zukunft verschiebt – zu höheren Kosten.


Der Campus Baggerweier ist daher keine Frage des Komforts. Er ist eine Frage der langfristigen Handlungsfähigkeit.


122 Millionen Euro – ein Argument gegen das Projekt?

Das geplante Investitionsvolumen von mindestens 122 Millionen Euro ist ein Fakt, der nicht relativiert werden darf. Eine solche Summe ist für jede Gemeinde eine enorme Herausforderung. Und es wäre fahrlässig, diese Größe nicht mit größtmöglicher Vorsicht zu betrachten.

Natürlich gilt: Große Projekte bergen große Risiken.


  • Kosten steigen,

  • Zeitpläne verschieben sich,

  • Ressourcen werden gebunden,

  • andere Projekte müssen warten.


Doch daraus folgt nicht zwingend ein Nein. Es folgt etwas anderes: die Verpflichtung zu Kontrolle.

Denn wenn eine Gemeinde sich entscheidet, ein solches Projekt umzusetzen, dann muss sie auch sicherstellen, dass es politisch und finanziell geführt wird – konsequent, transparent und strukturiert.


Zustimmung ist kein Blankoscheck

Ein Ja zum Campus darf niemals als Freifahrtschein verstanden werden. Es muss vielmehr als Auftrag gesehen werden:


  • an den Schöffenrat, das Projekt belastbar zu steuern,

  • an den Gemeinderat, seine Kontrollfunktion entschlossen wahrzunehmen,

  • an alle Beteiligten, transparent zu informieren und lösungsorientiert zu handeln.


Dazu gehört auch eine neue Kultur in der Begleitung des Projektes: regelmäßige Berichterstattung, öffentliche Übersicht über den Fortschritt, klar erkennbare Verantwortlichkeiten.

Ein permanenter Tagesordnungspunkt wie „Fokus Campus Baggerweier“ wäre daher keine Nebensache, sondern ein Instrument moderner demokratischer Kontrolle – und ein Signal an die Bevölkerung, dass dieses Projekt nicht „durchgewunken“, sondern verantwortungsvoll geführt wird.


Opposition bedeutet nicht Reflex – sondern Verantwortung

Die Abstimmung am 27. Januar war nicht nur ein Votum über ein Projekt. Sie wird auch zu einem Gradmesser politischer Reife.

Denn Opposition erschöpft sich nicht darin, Zweifel zu formulieren. Zweifel sind wichtig – aber sie müssen zu einer Haltung führen.

Ein grundsätzliches Nein zu diesem Projekt ist nur dann glaubwürdig, wenn es ein tragfähiges Gegenmodell gibt: mit Lösungsvorschlägen, Finanzierung, Standortalternativen, Zeitschienen, Machbarkeit. Ohne diese Alternative ist Ablehnung nicht Gestaltung, sondern Verweigerung.

Und Enthaltung?Bei einer Entscheidung dieser Tragweite ist Enthaltung nicht Neutralität. Sie ist das Delegieren von Verantwortung.


Der Campus wird die Budgetpolitik prägen

Auch wer heute nur auf die Abstimmung schaut, muss weiter denken. Der Campus Baggerweier wird in den kommenden Jahren das Budget wie kaum ein anderes Projekt beeinflussen.

Das heißt: diese Abstimmung wird politische Folgewirkungen haben – auf Budgetdebatten, auf Prioritätensetzungen und auf die Glaubwürdigkeit politischer Akteure.

Gerade deshalb braucht es Klarheit. Und gerade deshalb braucht es einen Ansatz, der das Gemeinwohl über kurzfristige taktische Vorteile stellt.


Wer Zukunft will, muss auch dafür entscheiden

Der Campus Baggerweier ist groß, teuer, komplex – und angreifbar. Aber er ist auch eine seltene Chance: die Chance, die Gemeinde Schengen langfristig zu stärken, Infrastrukturen neu zu ordnen, den Kindern und Familien Zukunft zu geben, den Einsatzkräften die nötigen Mittel, den Vereinen den Raum.

Man kann dieses Projekt kritisieren. Man muss es sogar kritisch begleiten.

Aber wer das Gemeinwohl ins Zentrum stellt, kommt nach Abwägung schwer an einem Ergebnis vorbei:


Grundsätzlich dagegen zu stimmen, hieße, der Zukunft auszuweichen.

Und Zukunft lässt sich nicht vertagen !

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